Naturbeobachtungen – Seeadlerberingung

Es ist soweit

Der Treffpunkt war verabredet, die Zeit ausgemacht. Das große Finale an einem meiner Seeadlerstandorte war geplant. Den Wecker brauchte ich mir nicht zu stellen, denn die innere Freude ließ mich in der Nacht davor kaum in den Schlaf kommen. Dieser, zugegebenermassen grundlose Nebeneffekt, wird sich bei mir sicherlich nie ganz legen.

So war ich rechtzeitig vor Ort. Die anderen Protagonisten trudelten so nach und nach ein. Der Horstbaum, eine stattliche Buche von ca. 35 m Höhe (das Alter wird auf ca. 200 Jahre geschätzt) lag mitten in einem Waldgebiet. Ausnahmsweise, und nur weil wir eine Menge Geröddel zu schleppen hatten, fuhren wir mit den Autos bis in die Horstnähe. Die beiden Altvögel bekamen wir nicht zu Gesicht.

Unser Kletterprofi A. machte sich sogleich ans Werk, denn die Zeit war knapp, weil im Anschluß noch andere Standorte auf der Agenda standen. Mit Hilfe eine Katapults versuchte A. einen kleinen Ball, an welchem eine dünne Leine befestigt war, über einen starken Ast der Buche zu schiessen. Die Versuche gestalteten sich sehr schwierig, viel Blattwerk behinderten Sicht und Flugbahn. Irgendwann klappte es. Mit dem kleinen, dünnen Seil zogen wir das Hauptseil über den tragenden Ast. Ein weiterer starken Baum dient der Sicherung. Diese Konstruktion hatte die unterschiedlichen Funktionen.

Zunächst musste A. aber auch auf den Baum kommen. Dazu diente ihm ein senkrecht verlaufendes Seil an dem er sich mit reiner Muskelkraft in seinem Gurtzeug nach oben zog. Irgendwann war er aufgrund des enormen Blattwerkes der Buche nicht mehr zu sehen. Tauchte dann aber am Rand des Adlerhorstes wieder auf. Der Weg nach oben hat geklappt.

In diesem Fall bestätigte sich, dass die beiden Jungvögel, die ich bereits vor einigen Wochen mit der Drohne identifizieren konnte, am Leben waren. Aufgrund der Größe der jungen Seeadler erfolgt der Transport der Vögel einzeln in einem Sack. A. seilte die beiden Seeadler ab und ich nahm sie unter in Empfang. Die Beringung selbst ist unspektakulär. R. hatte bereits in diesem Jahr ca. 50 Jungadler beringt und vollbrachte die Arbeit mit gekonnter Hand. Nach dem großen Staunen aller Beteiligter bekam der erste Seeadler seine Ringe. Auf der einen Seite den Ring der Vogelwarte Hiddensee und auf der anderen Seite den eigentlichen Kennring, der den Seeadler unverwechselbar macht. Das Prozedere wiederholte sich beim anderen Jungvogel. Beide Vögel wurden gewogen und vermessen. Die Daten werden in einer Datenbank gesammelt. So ist es möglich, dass nach einer Ringablesung die Vogelwarte Hiddensee dem Ableser die Stammdaten des Vogels zur Verfügung stellen kann.

Die Fakten

Meine beiden männlichen Seeadler bekamen die Kennungen XW58 und XW59. Die Vögel wogen ca. 4.200 g und waren ca. 42 Tage alt.

In umgekehrter Reihenfolge gelangten die Jungvögel wieder nach ab und wurden von A. behutsam in den Horst gelegt. Schlussendlich rutschte auch A. an der Seilbahn nach unten. Gemeinsam sammelten wir die Utensilien zusammen und rückten ab. Es bleibt die Hoffnung, dass diese beiden Seeadler nur dieses eine Mal die Begegnung mit dem Menschen haben. Ich jedenfalls wünsche es Ihnen.

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