Rotwild | Servus elaphus

...in der Lewitz sind die Hirsche los

Am gestrigen Samstag war es wieder soweit. Da sich  meine Frau das Spektakel der Hirschbrunft auch nicht entgehen lassen wollte, war dieser Morgen für dieses Naturereignis geblockt. 

Der gnadenlose Zeitmesser alarmierte uns zu einer gottlosen, sehr frühen Stunde. Draußen war es noch stockdunkel als wir uns auf den Weg in die Waldlewitz machten. Ausgestattet mit Stirnlampen, Warnwesten und einem Taschenmesser (in der Lewitz wurden Wölfe gesichtet) stiefelten wir noch schlaftrunkend durch den herbstlich, kühlen Wald. Noch in weiter Ferne waren die Brunftlaute der Hirsche deutlich zu hören. Ein gutes Zeichen, sie waren da, so glaubten wir. Am ersten Spot, einem aufgespannten Tarnnetz am Rand der Brunftwiese, gähnende Leere, weit und breit kein Tier, keine Regung am Waldrand, einfach nichts. Wir zogen weiter zu einem Hochsitz, der zentraler am Rand der Wiese vor einem Graben steht. Obgleich mir natürlich bekannt ist, dass eine solche „jagdliche Einrichtung“ nicht ohne Zustimmung des Jägers benutzt werden darf, war es für dieses Mal eine Ausnahme. Wir hatten keine andere Chance, einigermaßen unbemerkt uns in Position zu bringen.

Dort angekommen sahen wir die Silhouetten von Rotwild, die sich deutlich von der Wiese abzeichneten. Das Rehwild davor sprang sofort ab, das Rotwild blieb zunächst noch stehen. Wir, d.h. meine liebe Frau, hatte Probleme mit dem Fernglas. Die daraus resultierenden Gesprächsfetzen müssen die Tiere mitbekommen haben. Als wird den Hochsitz bezogen hatten waren sie weg bzw. nur undeutlich sichtbar in weiter Entfernung.

Das Warten begann. Vor uns sollte die Sonne aufgehen aber weder von den Tieren noch von der Sonne, von beiden keine Spur. Kein Licht, kein Tier, ja nicht einmal Nebel – die Wiese lag vor uns im trostlosen Grau eines aufgehenden, scheinbar verregneten Herbsttages. Ein Traum für jeden Fotografen! Wir hielten eine gute Stunde durch, laut Uhr sollte die Sonne längst aufgegangen sein, lediglich ein Wildschein (Jägersprache = ein Stück Schwarzwild) zeigte sich weit, weit weg, so dass wir uns zum Aufbruch fertig machten. Meine Frau war schon die Kanzel herunter geklettert und ich war noch mit dem Zusammenbau der Fotoausrüstung beschäftigt als ich im Augenwinkel einen sich bewegenden Schatten wahrnahm. 

Ein beachtlicher Rothirsch betrat die Bühne, im Schlepp zwischen den Stangen seines ausladenden Geweihs einen großen, belaubten Ast. Ruhig zog er über die Wiese. Ich zischte nur so etwas wie „Hiiiiirsch…..“ und war dann damit beschäftigt meine Technik wieder in Stellung zu bringen. Das Licht war immer noch nicht besser, an kurze Verschlußzeiten war nicht zu denken und den ISO wollte  ich auch nicht so hoch schrauben, so dass ich mich auf Videosequenzen konzentrierte. Vor Aufregung schlotterten mir die Knie. Ab und an blieb das Tier stehen und trat letztlich am Wiesenrand ab.

Zum Schluß war doch noch alles gut!

 

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