Naturbeobachtungen Rotwild

..wenn es wieder Herbst wird in den mecklenburgischen Wäldern

…ja, dann packt mich ein ganz besonders  Fotofieber!

Lange vor der Zeit war ich schon wach. Es muss eine Mischung aus Vorfreude und Aufregung gewesen sein, die mich in meinem Urlaub zu nachtschlafender Zeit aus dem warmen Bett trieb.

Draußen ein sternenklarer Himmel, stockdunkel, der Neumond war erst vor 2 Tagen. In der Waldlewitz stand der Nebel über den Wiesen. Über Nacht ist es Herbst geworden.

Der Wind war schwach und kam an diesem Morgen aus einer für mich optimalen Richtung. Im Lichtkegel meiner Stirnlampe trottete ich zur Brunftwiese, dem Ort, an welchem ich im letzten Herbst meine erste Rothirschbegegnung hatte. Schon auf dem Weg dorthin vernahm ich die erhofften Brunftrufe der Hirsche. Sie waren nicht weit entfernt. Ein guten Zeichen für mich, denn die Tiere befanden sich auf meiner Seite des Kanals, so dass die Chancen gut standen den einen oder anderen Hirsch zu Gesicht zu bekommen.

Kurz vor meinem Ziel schaltete ich das Licht aus. Der Nebel zeichnete sich deutlich vom Wiesengrund ab. Diese natürliche Deckung nutzend setzte ich mich an die Wiesenkante. Hinter mir der Wald und neben mir ein Flachsilo, ich war eingerahmt von Brennnesseln und anderen hohen, zum Teil schon vertrockneten Gräsern. Bis zum Sonnenaufgang waren es noch fast zwei Stunden. Wer dies einmal erlebt hat, wird den fast mystischen Augenblick nicht vergessen, wenn sich vom aufsteigenden Wiesennebel ein undeutlicher Schatten abhebt, der nur durch das Fernglas als Hirsch zu erkennen ist. Diesen Moment hatte ich. Zum Fotografieren reichten die Lichtverhältnisse nicht aus, zu hoch wäre der ISO-Wert aber zum Bestaunen dieses Königs des Waldes war es für mich hell genug. Der Hirsch ging mit lauten Getöse von der Bühne, verschwand im Wald und fortan war Ruhe auf der Wiese. Für mich war der Moment gekommen eine Deckung zu suchen, bei der ich eine bessere Sicht auf die Wiese hatte.  Ein Hochsitz, der mir eine freie Sicht ermöglichen  und wo ich noch die Sonne im Rücken haben würde, bot sich geradezu an. Gedacht getan, kurze Augenblicke später hatte ich meine neue Stellung bezogen. Weiteres Warten schloß sich an. Von der gegenüberliegenden Waldkante machte sich ein anderer Hirsch lautstark bemerkbar. Den Rufen folgend konnte ich leicht wahrnehmen, dass sich das Tier in meine Richtung bewegte. Mitten auf der Wiese, die Nebelschwaden bis zum Bauch sah ich ihn dann stehen. Meine Chance war gekommen, doch leider versagten bei dem Nebel der Auto- und manuelle Fokus. Was für ein Mist, auch diesen Hirsch musste ich ziehen lassen. 

Geduld ist die Tugend eines jeden Naturfotografen. Wenn auch nicht meine große Stärke, so würde meine Zeit doch noch kommen, war der mich beruhigende Gedanke. 

..und tatsächlich, ich vernahm in meinem Rücken irgendetwas. Wie das physiologisch zu erklären ist kann ich nicht sagen, sicherlich war es reiner Zufall. An der hinter mir liegenden Waldkante stand im Gegenlicht ein Hirsch, es war noch ein junger Hirsch, ein sogenannter Spießer aber es war für diesen Morgen mein Fotoobjekt „Hirsch“. Glück gehabt! Mein Fotoerfolg für diesen Ansitz war gesichert.

Nur einige Tage später, ich hatte die Seite des Störkanals gewechselt, war es wieder der pure Zufall. Eine Schneise führte durch den Wald. Ich wusste, dass sich an dieser Schneise irgendwo das Brunftzentrum befinden sollte. Ein Fotokollege gab mir diesen Tipp.  Die magischen Brunftrufe der Hirsche dröhnten von allen Seiten in dieser Nachmittagsstunde durch das Unterholz. Wieder im Gegenlicht und weit entfernt sah ich einen stattlichen Hirsch mitten auf der Schneise. Ich konnte nichts verlieren und pirschte mich deshalb heran aber irgendwie verlor ich den Hirsch aus den Augen. Der Wind war optimal als sich plötzlich  vor mir die Äste eines Baumes bewegten. Begleitet von Rufen, ähnlich wie die eines Pferdes, zeigten mir an, dass hier ein Hirsch sein Tun haben musste. Erkennen konnte ich nichts. Ich stellte mein Stativ auf und machte mich bereit, hoffte ich doch, dass das Tier noch einmal auf die Schneise treten würde.  Diesen Gefallen tat es mir aber nicht. Entgegen der oben zitierten Tugend verlor ich die Geduld und versuchte mich weiter anzupirschen. Nur nach wenigen Schritten erkannte ich das mächtige Geweih. Der Hirsch stand unter einem Baum mit dem Bauch im hohen Schilf und sah mich an. Nur für einen kurzen Augenblick musterten wir uns. Erst als ich die Kamera hob sprang er ab und lief in den Wald. Doch plötzlich blieb er nach wenigen Metern stehen und blickte zurück. Er stand mit sein Haupt und dem mächtigen dem Geweih in der Sonne. Dies war dann der Augenblick für mich mein Foto vom Hirsch im Wald zu machen.

Weitere Versuche gab es, aber ich hatte das Gefühl, dass in diesem Jahr die Brunft der Rothirsche irgendwie anders ablief. Ich stellte deshalb meine Bemühungen ein oder anders, ich stelle eine Wildkamera auf. Aber dies ist wieder eine andere Geschichte, die noch zu erzählen ist.

2 Kommentare

  1. Toll geschrieben Karsten und nicht immer sind nur die Bilder der Lohn der Mühe, auch das Erlebnis und Privileg dem teilhaben zu dürfen.. Ja die Brunft strahlt eine wahre Magie aus 🙂

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