Naturbeobachtungen – Damwild

...Geduld zahlt sich aus und Glück gehört dazu!    

Der Tag vor Ablauf der Schonzeit für das Damwild zeigte die 18. Stunde. Die Goldene Stunde des Tages wollte ich nutzen um ein bekanntermassen scheues Wildtier zu fotografieren. Damwild hat in unseren Breiten eine enorme Ausbreitung. Es ist daher nicht selten anzutreffen aber aus naher Distanz nur schwer zu beobachten.

Am Vortag kam der alles entscheidende Tipp von einem Weidmann. Der Revierjäger erteilte mir die Erlaubnis seinen Hochsitz zu benutzen und benannte mir einen quasi sicheren Platz für eine Damwildsichtung.

Die jagdliche Einrichtung, so wird ein Hochsitz im Amtsdeutsch auch bezeichnet, stand am Waldrand. Davor erstreckte sich eine Wiese mit Wildgräsern, die aber zu dieser Jahreszeit schon recht trocken waren. Die anhaltende Trockenheit hat ihr übriges dazu beigetragen. Zur Goldenen Stunde des Tages kam das Licht von hinten. Auf dieser Wiese waren also bis nach Sonnenuntergang optimale Lichtverhältnisse.  Der Wind an diesem späten Nachmittag stand gut, blies er mir doch ins Gesicht, so dass das Wild keine Witterung aufnehmen konnte.

Als ich mich mit dem Auto näherte, es waren noch gut 500 m bis zum Ziel, sah ich schon das hellbraune Damwild über die Wiese ziehen. Sie schienen mein Auto wahrgenommen zu haben, denn sie traten sehr schnell den Rückzug in den Wald an. Es war sehr unwahrscheinlich, dass sie noch einmal auftauchen würden. Sicherlich wäre ein früheres Erscheinen am Ansitz sicherer gewesen. Was hatte ich aber schon zu verlieren – nichts! Die Zeit war eingeplant und so setzte ich mich auf den Hochsitz und genoß fortan die Stille des Waldes.

Nach einer knappen Stunde des Wartens gesellte sich ein Feldhase auf die Wiese. Immerhin, ich hatte ein Fotomotiv, nicht sehr optimal, weil ich von oben herab und nicht in Augenhöhe fotografieren musste. Zum Üben reichte es aber.

Die Uhr tickte unaufhörlich, an der Waldkante sah ich keine Regung, meine Vermutung schien sich zu bestätigen. Es sind genau diese Momente, wo die Hoffnung einem noch die nächsten 10 Minuten Zeit einräumt und man glaubt, dass noch etwas passieren würde. Sofern es sich nicht erfüllt, bricht man gnadenlos ab. So erging es mir!

Beim Heraustreten aus der Kanzel, ich stand schon mit einem Bein auf der Leiter, wollte die Tür gerade schliessen und hatte die Kamera samt Stativ noch im Arm, genau in diesem Augenblick sah ich das Wild aus dem Wald treten. Keine 100 m von mir entfernt, betrat ein Damhirsch nach dem Anderen die vom Abendlicht beleuchtete Bühne. Was für ein Schauspiel. Ganz ungestört zogen sie über die Wiese.

Mein Rendezvous mit dem Damwild dauerte eine halbe Stunde. Geduld zahlt sich aus und Glück gehört dazu!    

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