Eisvogel | alcedo atthis

Eisvogelansitz im Winter

Das Jahr ist mittlerweile schon einige Wochen alt. Die letzten Tage waren kalt und grau. So manche Stunde verbrachte ich auch in der letzten Zeit an einem meiner Lieblingsplätze in der Lewitz –  am Eisvogelansitz. Verwöhnt vom Herbst und voller Optimismus glaubte ich, dass unsere weiteren Begegnungen gleichwohl regelmäßig und ergiebig sein würden. Ich hatte mich gehörig getäuscht!I Der Eisvogel war zwar zu sehen, aber  ich musste sehr schnell feststellen, dass er sehr argwöhnisch war. Bei jeder kleinen Bewegung flog er auf und kam nicht mehr zurück. Eine Erklärung fand ich nicht – hatte nur einen Verdacht, denn ich nahm an, dass er ja im Winter keine Jungen  zu versorgen hätte und deshalb nicht so viele Fische benötigen würde!? Wobei „er“ oder „sie“  doch etwas fressen müssten  und deshalb wäre der Weg zum Jagdrevier, so definiere ich „diesen |meinen| Lieblingsplatz“, doch die logische Konsequenz, auch für diese Spezies. Ich hatte das Zelt an unterschiedlichen Stellen rund um den Ansitz aufgestellt, etwas weiter weg vom eigentlichen Ansitz, versteckt hinter Büschen oder hohen Gräsern aber leider immer vergeblich. Der Eisvogel kam, ich hatte nicht einmal die Zeit zu bestimmen, ob es sich um das Weibchen oder das Männchen handelt, und war nach sehr kurzer Zeit wieder verschwunden.

Irgendetwas passte nicht, was waren die Gründe?

Ich war zumeist um die Mittagszeit am Ansitz, das Licht war zu dieser Tageszeit  oftmals zwar nicht perfekt aber ausreichend, so dass der ISO Wert nicht ins Unermessliche kletterte. Lag es aber an dieser Tageszeit? Es stimmt wohl, dass der Eisvogel im Winter nur für sich selbst die Nahrung braucht und es geht ihm womöglich wie dem Menschen, der nach dem Erwachen Hunger verspürt.Ich dachte mir deshalb, dass ich es vor dem Sonnenaufgang probieren müsste.Der Eisvogel könnte mich beim Aufstellen des Tarnzettels zu dieser frühen Tagesstunde so noch nicht sehen und vielleicht stimmt ja meine Theorie.

War das die Lösung meines Problems?

So machte ich mich  auf, der Kalender schrieb den 13.02.17 und das Thermometer zeigt satte -8°C an – eine Herausforderung aber ich wollte es wissen. Das Tarnzelt stand noch vor dem Tagesanbruch und ich hätte keine 10 Minuten später kommen dürfen. Ich sass kaum, das Fotolicht war schlecht bzw. noch garnicht vorhanden (ISO über 6.000) und schon hörte ich das vertraute Klatschen des Wassers neben mir. Er war da und hatte vermutlich Hunger! Nur er war nicht dort wo ich ihn haben wollte, nämlich auf dem Ansitzast aber der Eisvogel war in der Nähe. Ich rührte mich nicht, die Kamera war eingerichtet, ausgerichtet auf den Ansitzast. Guter Rat war  nun teuer, sollte ich das Objektiv schwenken und damit das Risiko eingehen, dass er mich bemerkt oder sollte ich warten bis er sich auf den Ast setzt? Ich habe mich für das Warten entschieden und so fühlte sich der Eisvogelmann offensichtlich sicher, er blieb sitzen, nickte mit dem Kopf auf und ab, dies hatte ich schon oft beobachtet, und zeigte keinerlei Scheu. Er wechselte die Ansitzwarten, sass mal auf dem Ast oder auf dem Baum und erbeutete in der knappen Stunde zwei Fische. Ich konnte meine Fotos machen! Das Schauspiel war erst vorbei als das Geräusch eines herannahenden Baggers, der die Gräben meliorierte, die Stille des Morgens durchbrach. Der Eisvogel war gestört und flog auf. Ich konnte in diesem Moment auch zusammen packen!

Mein Fazit – meine Theorie ist aufgegangen, der frühe Vogel fängt den Wurm (oder besser den Fisch). Mein frühes Aufstehen hat sich bezahlt gemacht und einen weiteren Vorteil hatte die Sache noch, ich war rechtzeitig wieder in meinem Büro!

 

1 Kommentar

  1. Sehr schön hast du die erfolgreiche Fotojagdt nach dem hübschen Eisvogel beschrieben. Tolle Fotos sind dir da gelungen. Früher Vogel fängt eben den Wurm oder den Fisch. Das der Eisvogel schon so früh bei der Kälte unterwegs war wundert mich ein wenig, ich kenne es meist so, sie wollen sich erst ein wenig aufwärmen.
    Doch der Hunger muss eben sehr, sehr groß gewesen sein.
    VG Sonja

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.